An einem Winterabend im Jahr 1953 saßen ...

Heinrich Kuhlemann, Hermann Kammlott und Hermann Hentrich mit Ihren Ehefrauen gemütlich in einem warmen Wohnzimmer bei Kaffee und Kuchen zusammen. Da hörten sie im Radio etwas vom "11.11. um 11 Uhr 11". Auf einmal kam man auf die Idee auch in Bleicherode einmal Karneval zu feiern. Das wäre eine ganz tolle Sache, denn zu dieser Zeit wurde an geselligen Veranstaltungen in der Bergarbeiter- und Weberstadt Bleicherode nicht gerade sehr viel geboten.Nun begann eine lebhafte Diskussion darüber, wie und wo man eine solche Veranstaltung auf die Beine bringen könnte. Alle waren sich im Klaren, daß so ein Unternehmen nicht von ihnen allein bewältigt werden konnte. Da mußten noch etliche Bürger der Stadt gewonnen werden. So kamen sie zu dem Entschluß in den nächsten Tagen den Inhaber des Spielwarenhauses C. C. Becke, Hermann Strietzel, aufzusuchen und mit ihm über ihre Pläne zu reden. Als sie Hermann Strietzel von der Karnevalsidee berichteten, war er davon begeistert und willigte sofort ein, dabei mitzuhelfen. Nun wurde wieder lange diskutiert und man einigte sich darauf, daß jeder in seinem Bekanntenkreis mit den dafür geeigneten Freunden spricht und sie zu einer zwanglosen Zusammenkunft in die Gaststätte "Norddeutscher Bund" (später "Bleichtal") einzuladen.
Zu dieser Zusammenkunft erschienen folgende Bürger der Stadt:
Heinrich Kuhlemann, Hermann Kammlott, Hermann Hentrich, Hermann Strietzel, August Tegtmeyer, Gertrud Tegtmeyer, Hans Höhn, Willy Panse, Karl Dölle, Karli Mock und Fritz Weinhold.
Sie alle waren von der Idee "Karneval in Bleicherode" begeistert. Es folgte nun eine Zusammenkunft nach der anderen und das Unternehmen "Karneval" nahm immer mehr Gestalt an. Nach der vierten Sitzung war es dann so weit, daß das erste Karnevalskomitee in Bleicherode gegründet werden konnte. Folgende Bürger wurden in dieses Komitee gewählt:
Heinrich Kuhlemann, Hermann Kammlott, Hermann Hentrich, Hermann Strietzel, Hans Höhn, August Tegtmeyer, Willy Panse, Karli Mock, Fritz Weinhold und als einzige Frau Gertrud Tegtmeyer.
Gertrud Tegtmeyer war es auch, die in ganz kurzer Zeit ein kleines Anfangskapital zusammengetragen hatte, so daß die Komiteemitglieder nicht ganz so tief in ihre eigenen Taschen greifen mußten. Nach erfolgter Konstituierung des Komitees wurden die einzelnen Aufgaben an folgende Mitglieder verteilt:
Der Inhaber des Porzellangeschäftes Hans Höhn wurde mit dem Amt des Präsidenten betraut. Er mußte alle anfallenden Arbeiten für die Vorbereitung koordinieren und des Programm für die erste Karnevalssitzung zusammenstellen.
Das von Gertrud Tegtmeyer zusammengetragene Kapital kam unter die Verwaltung des Finanzministers Hermann Hentrich. Auf ihn kam die schwierige Aufgabe zu, alle anfallenden Unkosten so gering wie möglich zu halten.
Unentbehrlich für eine zünftigen Narrensitzung sind Kostüme und Requisiten. Mit der Beschaffung wurde Hermann Strietzel beauftragt. Dabei waren seine Geschäftsverbindungen von sehr großem Nutzen. Die Firma Bock-Maskenverleih aus Bad Langensalza lieferte die Kostüme und Requisiten. Plaketten und Abzeichen wurden von der Firma Moritz Hertwig aus Tannenberg im Erzgebirge geliefert und diese Verbindungen waren auch in den folgernde Jahren von großem Nutzen. Ein sehr wichtiges Amt ist der Minister für Verkehr, das an Heinrich Kuhlemann vergeben wurde.
Seine Aufgabe war es dem närrischen Umzug durch die Straßen von Bleicherode zu organisieren und zusammenzustellen. Wie sich zeigte waren seine Bemühungen auf sehr fruchtbare Boden gefallen, denn fast alle Betriebe und ganze Stadtviertel beteiligten sich am ersten Festumzug von Bleicherode. Es gab auch viele kleine Betriebe, die gerne bereit waren einen Festwagen zu gestalten, denen aber die nötigen Fahrzeuge fehlten. Deshalb wurde Willy Panse mit der Beschaffung von Wagen und Zugmaschinen beauftragt, denn er hatte die besten Verbindungen zu den LPG'en. So organisierte er für den ersten Festumzug über 40 Pferde, etliche Traktoren und Anhänger sowie noch andere Fahrzeuge. Für eine richtig närrische Karnevalsveranstaltung ist ein Mann von besonderer Wichtigkeit, der Zeremonienmeister.
Er ist dafür verantwortlich, dass jeder Büttenredner, Sänger und Tänzer zur rechten Zeit zu seinen Auftritt kommt und geleitet die Aktiven zur Bühne. Er ist auch der ersten, der das Prinzenpaar mit seinem Gefolge dem närrischen Publikum zuführt. Dieses wichtige Amt hatte Hermann Kammlott übernommen und er führte es lange mit großem Eifer aus.
Die Beschaffung von Papierschlangen, Girlanden und sonstigem Material zur Ausschmückung des Saales wurde Karli Mock übertragen. Er war auch für den Verkauf der Eintrittskarten und von närrischen Kopfbedeckungen zuständig. Aber das wichtigste vom ganzen Karneval fehlt noch, der Prinz mit seinem Funkenmariechen und dem dazugehörenden närrischen Gefolge. Eine Funkengarde musste unter den Schönen von Bleicherode gesucht und aufgestellt werden. Diese Aufgabe übernahm Gertrud Tegtmeyer. Sie sah sich unter den Bleicheröder Mädchen um. Jutta Diemann die Tochter des damaligen Garagenmeisters von EB Süd und späteren "Käpten Bay", Willi Diemann war bereit die Garde für den Prinzen zu werben. Jutta stellte nun eine Garde von 10 schmucken Mädchen, welche fast alle dem Betrieb EB Süd angehörten zusammen. Diese 11 Mädchen übten nun, wie sie den festlichen Geleitzug des Prinzenpaares gestalten konnten. In Kostümen aus der Minnesängerzeit waren sie eine wirklich schmucke Garde, die erste Funkengarde von Bleicherode.